Stiftungen bringen Hamburger Literaturdenkmal wieder zum Leuchten

Foto: Andreas Weiss

Stiftungen bringen Hamburger Literaturdenkmal wieder zum Leuchten

Ein architektonisches Kleinod und bedeutendes Hamburger Literaturdenkmal ist gerettet: Nach sieben Monaten Bauzeit wurde die Bücherstube Stolterfoht denkmalgerecht saniert und nun wieder an die Öffentlichkeit übergeben. Ermöglicht wurde die umfassende Restaurierung durch die HERMANN REEMTSMA STIFTUNG, die den historischen Pavillon vollständig sanieren ließ und ihn jetzt an die Stiftung Denkmalpflege Hamburg übergab.

Das kleine Ladengeschäft wurde 1949 vom Architekten Werner Kallmorgen für die Buchhändlerin Greta Stolterfoht errichtet. Mit nur 44 Quadratmetern Nutzfläche steht der Pavillon beispielhaft für die Hamburger Nachkriegsmoderne und ist seit vielen Jahren als Denkmal geschützt. Trotz tiefgreifender Veränderungen im Buchhandel hat sich die Bücherstube bis heute im Originalzustand und in ihrer ursprünglichen Funktion erhalten.

Denkmal in rund 1.000 Teile zerlegt, restauriert und wieder errichtet

Nach 76 Jahren machten Alterungsprozesse eine grundlegende bauliche Erneuerung notwendig. Die Arbeiten begannen im Juni 2025 und dauerten sieben Monate. Die denkmalgerechte Sanierung – finanziert mit rund 500.000 Euro – übernahm die HERMANN REEMTSMA STIFTUNG, die auch die Organisation und Umsetzung verantwortete. Dabei wurde der Holzpavillon behutsam in rund 1.000 nummerierte Einzelteile zerlegt, restauriert und am ursprünglichen Standort wieder zusammengesetzt, mit dem Ziel, möglichst viel Originalsubstanz zu erhalten. Während der Sanierung blieb die Buchhandlung durchgehend geöffnet: Der Verkauf lief in dieser Zeit nahtlos in einem benachbarten Container weiter.

Foto: Alice Oswald Ruperti / www.oswald-ruperti.de
Foto: Andreas Weiss
Foto: Andreas Weiss

Freiraum für junge Literat:innen nach dem zweiten Weltkrieg

Die Bücherstube gilt nicht nur als architektonisches Schmuckstück, sondern auch als Ort von literaturgeschichtlicher Bedeutung. Sie steht symbolisch für den geistigen Neuanfang nach der NS-Zeit und bot jungen Autorinnen und Autoren sowie Leserinnen und Lesern früh einen wichtigen Freiraum. Zugleich ist sie ein Beispiel für die qualitätsvolle, funktionale Architektur Werner Kallmorgens, der das Hamburger Stadtbild mit zahlreichen Bauten der Nachkriegszeit prägte.

Um den langfristigen Erhalt des Pavillons zu sichern, wurde ein neues Trägermodell entwickelt: Im Frühjahr 2025 übertrug Buchhändler Frank Bartling das Eigentum an dem Gebäude an die Stiftung Denkmalpflege Hamburg. Er selbst erhielt einen langfristigen Mietvertrag, sodass der literarische Buchhandel am historischen Ort fortgeführt werden kann.

Seit wenigen Tagen ist die Bücherstube Stolterfoht nun wieder an ihrem angestammten Platz geöffnet – frisch restauriert, zukunftsfähig gemacht und weiterhin als lebendiger Ort der Literatur im Hamburger Stadtraum präsent.

Weitere Informationen zur Bücherstube gibt es hier.

Weitere Beiträge von und für Stiftungen